Hund riecht nach Ohren – wann ist es bedenklich?

Manchmal riecht man es erst, wenn man nah genug ist – beim Kuscheln, beim Streicheln hinter den Ohren oder wenn der Hund den Kopf auf den Schoß legt. Ein leicht muffiger, süßlicher oder ungewohnt intensiver Geruch, der klar aus dem Ohrbereich kommt. Nicht von überall, nur von dort.

Das ist einer der Momente, wo Hundebesitzer richtig liegen, wenn sie stutzig werden. Denn Ohrengeruch beim Hund ist selten grundlos.

Ein leichter Eigengeruch ist normal

Gesunde Hundeohren haben einen eigenen, leichten Geruch. Das ist normal – Ohrschmalz, ein bisschen Feuchtigkeit, der natürliche Geruch der Haut. Wer regelmäßig an den Ohren seines Hundes riecht, kennt diesen Grundgeruch und merkt sofort, wenn er sich verändert.

Das ist auch der Punkt: Nicht jeder Geruch aus den Ohren ist ein Warnsignal. Die Frage ist, ob er sich anders anfühlt als sonst.

Wann der Geruch ein Hinweis ist

Ein süßlich-muffiger, hefeartiger Geruch aus dem Ohr ist ein häufiges Zeichen für eine Überwucherung von Hefepilzen – konkret meist Malassezia pachydermatis, ein Pilz, der zur normalen Flora der Hundehaut gehört, sich aber unter bestimmten Bedingungen übermäßig vermehren kann. Wärme, Feuchtigkeit und mangelnde Belüftung im Ohrkanal begünstigen das. Besonders betroffen sind Hunde mit Hängeohren – Cocker Spaniel, Basset, Dackel – weil deren Ohrmuschel den Kanal abdeckt und die Luftzirkulation einschränkt.

Ein stechend-säuerlicher oder eitriger Geruch deutet eher auf eine bakterielle Infektion hin. Das riecht anders als Hefe – schärfer, unangenehmer, manchmal fast chemisch.

Beide Varianten gehen oft mit weiteren Zeichen einher: Der Hund schüttelt häufig den Kopf, kratzt sich am Ohr, hält den Kopf schief oder reagiert empfindlich, wenn man die Ohren berührt. Sichtbare Veränderungen wie dunkle Ablagerungen im Ohrkanal, Rötungen oder eine ungewöhnlich fettige Ohrmuschel sind weitere Hinweise.

Was man selbst tun kann – und was nicht

Regelmäßige Ohrkontrolle gehört zur Grundpflege. Einmal pro Woche kurz hineinschauen und -riechen ist kein Aufwand und gibt schnell ein Gefühl dafür, was normal ist.

Ohrreinigung mit einem milden, für Hunde geeigneten Ohrreiniger kann dabei helfen, überschüssiges Ohrschmalz zu entfernen und die Feuchtigkeit im Kanal zu reduzieren. Das ist aber nur dann sinnvoll, wenn die Ohren gesund sind – bei einer bereits vorhandenen Entzündung kann Spülen die Situation verschlimmern.

Was man nicht tun sollte: mit Wattestäbchen tief in den Ohrkanal bohren. Der Hundegehörgang ist L-förmig und empfindlich. Wattestäbchen schieben Schmutz und Ablagerungen eher tiefer, als sie helfen.

Bei deutlichem Geruch, Begleitsymptomen oder wenn der Hund Schmerzen zeigt, führt kein Weg am Tierarzt vorbei. Ohrentzündungen beim Hund sind behandelbar – aber nur, wenn man weiß, womit man es zu tun hat. Hefe und Bakterien brauchen unterschiedliche Mittel, und ohne Diagnose greift man im Dunkeln.

Nach nassem Wetter besonders im Blick behalten

Hunde, die regelmäßig im Regen spazieren gehen oder schwimmen, tragen mehr Feuchtigkeit in den Ohrkanal ein als andere. Das allein ist kein Problem – aber es ist ein Faktor, der das Risiko für Pilzwachstum leicht erhöht. Wer nach nassen Spaziergängen die Ohren kurz abtupft und auf Veränderungen achtet, ist früh genug dran.

Ohrgeruch beim Hund ist kein Notfall, aber auch kein Thema, das man einfach aussitzen sollte. Je früher man es bemerkt, desto unkomplizierter ist die Lösung.